Wolfgang Mock ist ein begeisterter LeserHier einige Lesetipps von ihm

Hysterie um Weizen

von B.Sc. oec. troph. Julia Fischer, veröffentlicht im UGBforum 1/15, S. 10-12.

„Weizen macht dick, krank und dumm – das behaupten mehrere Autoren in pseudo-wissenschaftlichen Büchern. Und tatsächlich lassen immer mehr Menschen auch ohne diagnostizierte Unverträglichkeit weizenhaltige Lebensmittel stehen. Doch sind Brot, Pasta und Kuchen wirklich Ursache für die Beschwerden?“

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Hysterie um Weizen_Fischer J, UGBforum 115, S. 10-12

„Lebensmittel“ (englisch: „In Defense of Food“) und „Kochen – eine Naturgeschichte der Transformation“ (englisch: „Cooked – A Natural History of Transformation“) von Michael Pollan, der 2010 vom Times Magazine zu den hundert einflussreichsten Personen der Welt gezählt wurde.

Wolfgang Mock sagt dazu:

„Die Bücher von Michael Pollan gehören zu den fünf besten, die ich in den vergangenen 40 Jahren gelesen habe, seit ich mich mit Fragen der gesund erhaltenden Ernährung und Lebensweise beschäftige. Diese zwei Titel möchte ich besonders hervorheben und noch einige wichtige Zitate erwähnen.“

Aus „Lebensmittel“:

Seite 115:

„Was würde passieren, wenn wir Nahrung weniger als ein Ding und mehr als Beziehung sehen würden? In der Natur war das Essen nämlich genau das: die wechselseitige Beziehung von biologischen Arten in Systemen, die wir Nahrunsketten oder Nahrungsnetze nennen und die bis hinunter in den Boden reichen. Arten entwickeln sich zusammen mit anderen Arten, die sie essen und sehr oft entwickelt sich eine Beziehung gegenseitiger Abhängigkeit: ich ernähre dich, wenn du meine Gene verbreitest.“

Seite 116

„Gesundheit entsteht unter anderem dadurch, dass man Teil solcher Beziehungen in einer Nahrungskette ist. Beim Allesfresser Mensch sind das eine ganze Menge solcher Beziehungen. Wenn nun ein Glied der Nahrungskette irgendwelche Mängel hat, kann sich das folglich auf alle Geschöpfe in der Nahrungskette auswirken.“

Seite 119:

„Der ökologische Blick auf das Essen und die Lebensmittel macht deutlich, was die westliche Ernährung eigentlich ist: ein Komplex radikaler und zumindest in evolutionärer Hinsicht abrupter Veränderungen, die in den letzten 150 Jahren nicht nur über unsere Lebensmittel, sondern auch über unsere Beziehungen zu ihnen hereingebrochen sind und vom Boden bis auf den Teller reichen.“

Seite 137:

„Eine Ernährung, die mehr auf Quantität als auf Qualität beruht, hat eine neue Kreatur auf die Bühne der Welt geleitet: einen Menschen, der es fertigbringt, überfüttert und unterernährt gleichzeitig zu sein, zwei Charakteristika, die sich in der langen natürlichen Evolution unserer Spezies nur selten in einem einzigen Körper zusammengefunden haben.“

Seite 128:

„Damit haben wir die erste bedeutende Änderungen der westlichen Ernährung dingfest gemacht, die mit erklären könnten, was manche Menschen so krankmacht: Weil wir bewährte Beziehungen zu den intakten Lebensmitteln, mit denen zusammen wir uns jahrtausendelang entwickelt haben, ersetzt haben, muss unser Körper nun eine kleine Handvoll effizient zur Verfügung gestellter Nährstoffe aufnehmen und bewältigen, die aus ihrem Nahrungskontext herausgerissen wurden. Unsere alte, evolutionär gewachsene Beziehung zu den Samen von Gräsern und den Früchten von Pflanzen ist schlagartig der dornigen Ehe von Glukose und Fructose gewichen.“

Aus „Kochen,…“

Seite 33:

„Das Kochen verwandelt nicht nur Pflanzen und Tiere. Es verwandelt uns von bloßen Konsumenten in Produzenten. Nicht restlos und nicht ständig, doch schon eine kleine Verschiebung des Verhältnisses zwischen diesen beiden Identitäten beschert uns zutiefst befriedigende und überraschende Erfolgserlebnisse.“

Seite 16:

„Das sind große Vorteile (Anmerkung: Außerhaus Essen und kaufbare Fertiggerichte). Doch was sie uns kosten, beginnen wir erst jetzt zu begreifen. Das industrielle Kochen hat gravierende Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Unternehmen kochen ganz anders als Privatleute oder Profiköche, weshalb wir ihre Tätigkeit auch nicht kochen nennen, sondern Lebensmittelverarbeitung. Sie verwenden in der Regel viel mehr Zucker, Fett und Salz als Leute, die für andere Leute kochen. Und sie setzen neue chemische Zutaten ein, die in privaten Speisekammern kaum zu finden sind, um ihre Lebensmittel haltbarer zu machen und frischer aussehen zu lassen, als sie sind. Deshalb überrascht es nicht, dass der Rückgang des Selbstkochens mit einer Zunahme von Fettleibigkeit und aller ernährungsbedingten chronischen Krankheiten einhergeht.“

Seite 17:

„Der Siegeszug des Fast Food und der Niedergang des Selbstkochens haben auch die Tradition der gemeinsamen Mahlzeit ausgehöhlt. Die gemeinsame Mahlzeit ist keine Belanglosigkeit, sondern ein Grundpfeiler des Familienlebens. Dabei lernen unsere Kinder die Kunst der Konversation und die Umgangsformen der Zivilisation: Sie lernen sich mitzuteilen, anderen zuzuhören, zu warten, bis sie an der Reihe sind, Streitigkeiten beizulegen, zu argumentieren, ohne zu beleidigen. Die sogenannten kulturellen Widersprüche des Kapitalismus – seine Tendenz, die stabilisierenden sozialen Formen, von denen er abhängt, zu untergraben – prägen die heutigen amerikanischen Essgewohnheiten ebenso wie all die grell bunt verpackten Fertigprodukte, die die Lebensmittelindustrie erfolgreich auf unsere Esstische brachte.“